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7. Meggener Rohstofftage - Ein Erfolg

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Vom 15. - 17. September 2021 richtete der BDG und seine Bildungsakademie die 7. Meggener Rohstofftage aus. Diesmal wieder als Präsenzveranstaltung unter den 3-g-Regeln, was zu keinerlei Problemen geführt hat. Am Tag zuvor erhielten rund ein Dutzend Teilnehmer, darunter eingeladene Journalisten, eine Führung über das Gelände der Sachtleben Bergbau Verwaltungs GmbH. Hier wurde die Anstrengungen des Unternehmens zur Aufbereitung der Grubenwässer gezeigt, beginnend vom Zustrom unter Tage bis hin zum Einleiten der aufbereiteten Wässer in den Vorfluter, die Lenne. Die Teilnehmer waren sehr beeindruckt, welch großer Aufwand betrieben werden muss, um die behördlichen Auflagen zu erfüllen und das Jahrzehnte nach Beendigung des aktiven Bergbaus der Grube Meggen. 

Der erste Vortragstag stand unter dem Motto "Zukunftsperspektiven der heimischen Rohstoffversorgung". Hierbei wurden in den auf deutsch gehaltenen Vorträge die internationalen Verflechtungen deutlich, mit dessen Vor- und Nachteile alle Volkswirtschaften der Welt zurecht kommen müssen. Prof. Dr. Christoph Hilgers (KIT) stellte den Rohstoffbedarf, der für die Energiewende unerlässlich ist, in einen breit angelegten, geopolitischen Kontext. 

Für viele überraschend war die Aussage von Michael Ritthoff (Wuppertal Institut), dass Recycling zwar weiter vorangetrieben werden muss, aber keineswegs nur Vorteile birgt. Selbst dann, wenn ein einzelnes Produkt vorteilhaft recycelt werden kann, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass die Gesamtbilanz sich positiv entwickelt. Auch müssen Steine und Erden stärker hinsichtlich ihres Recyclingpotentials betrachtet werden, schon allein wegen ihres massenhaften Einsatzes. Allein für ein einziges Windrad werden 330 t Stahl und 1.000 t Beton verbraucht. 

Dr. Michael Priester (Projekt Consult GmbH, Hamburg) stellte die Beziehungen zwischen Klimawandel und Bergbau her. Aktuell werden die Anteile des Rohstoffsektors an den weltweiten Klimagasemissionen mit etwa 7 % angegeben. Die Beeinflussung ist gegenseitig, was an Beispielen belegt wurde. Der Bergbau steht folglich vor der Herausforderung, seinen Emissionsbeitrag zu reduzieren und sich gleichzeitig resilienter gegen die Auswirkungen des Klimawandels aufzustellen. 

Beeindruckende Zahlen zur Gewinnung von Rohstoffen in Deutschland präsentierte Sören Henning (BGR, Hannover). Immer noch stehen in Deutschland 32 Untertagebergwerke in Produktion, obwohl der Großteil der Rohstoffgewinnung, insbesondere Steine und Erden, im Tagebau erfolgt. Weit über ein Drittel der heimischen Rohstoffgewinnung entfallen mit 259 Mio. Jahrestonnen auf Sande und Kiese. 

Ein Problem, das in den kommenden Jahren unbedingt gelöst werden muss, ist die Gipsversorgung Deutschlands. Nach der Stilllegung der Kohlekraftwerke fällt der Gips weg, der bei der Rauchgasentschwefelung entsteht. Aktuell kommt noch knapp die Hälfte der in Deutschland benötigten Gipsrohstoffe aus der REA-Produktion. Etwa 10 Mio. t Gips werden insbesondere im Hausbau jährlich benötigt. Dr.-Ing. Jörg Demmich (Knauf Gips KG, Iphofen) beleuchtete die Frage, wie diese Menge entweder aus anderen Quellen beschafft oder durch alternative Baustoffe ersetzt werden kann. Dabei ist Gips theoretisch sehr gut recycelbar.

Anschließend diskutierten die Redner und das Auditorium Aspekte der einzelnen Vorträge und das Motto dieses Vortragstages. Alle Redner waren sich einig: Wenn sie einen Wunsch frei hätten, was hinsichtlich der Rohstoffversorgung Deutschlands am dringendsten erfolgen müsste, so ist es die Beschleunigung der Genehmigungsverfahren. 

Der erste Vortragstag und seine Inhalte war außerordentlich erfolgreich. Die Bezirksregierung war anwesend, im Rat der Stadt Lennestadt wurde begeistert über die Veranstaltung berichtet, politische Parteien fragten nach den Vortragsinhalten und auch die Journalisten griffen die Themen auf.

Der 2. Tag wurde auf Englisch gehalten. Hier wurden einige Redner per Video hinzugeschaltet, was technisch einwandfrei funktionierte. So Kai Hoffmann, Soar Financial Partners (Vancouver, Kanada), der über "Financing your exploration company" sprach. Neben aktuellen Entwicklungen auf dem internationalen Rohstoffsektor wurden an diesem Tag neue Rohstoffprojekte vorgestellt. Auch wird traditionell der Rohstoffsektor ausgewählter Ländern präsentiert, diesmal war es Polen (Prof. Dr. Krzysztof Galos, Krakow). Responsible Mining wurde zweifach behandelt: "Responsible Mining, what, when, who, why, where?" (Dr. Sarah Gordon und Rose Clarke, Responsible Raw Materials, United Kongdom) und "Responsible exploration" (Christian Masurenko, Twistingen). Auch der Vortrag "Tensions between Artisanal and Industrial Mining and the Role of Geologists - evidence from Burkina Faso, West Africa) behandelte die Verantwortung auch des einzelnen Geologen, denn es gilt eine umweltschonende Gewinnung mit den Einkommensmöglichkeiten durch die Kleinbetriebe in Einklang zu bringen. Die Frage "Is Europe fit for Mining and Metallurgy?" unterzog Dr. Wolfgang Reimer (GKZ, Freiberg) einem "reality check". Es sah noch eine große Lücke zwischen den sozial-ethischen Ansprüchen und einer Strategie Europas zur nachhaltigen Rohstoffversorgung. Eine beeindruckende Anstrengung beim "Re-discovering Europe´s silver belt" stellte Jan Schulz-Isenbeck (Excellon Resources) mit dem "Silver City project" in Sachsen vor. Die Exploration zeigt, dass nach wie vor mit großem Silberpotential zu rechnen ist. Dr. Claudia Pohl und Klaus Brauch (terratec, Heitersheim) stellten eine Fallstudie aus dem Vulkankomplex des Kaiserstuhls vor: "The benefits of geophysics in HFSE exploration in alkaline and carbonatitic systems". Eindrucksvoll wurden die Explorationsverbesserungen durch den kombinierten Einsatz verschiedener geophysikalischer Messmethoden gezeigt. "Dimension stones" sind alle Festgesteine, die als Block gewonnen und verkauft werden. Marco Cosi (Alpiconsult, Italien) stellte Berichtsstandards und Bewertungsmethoden für diese Werksteine vor, die im Bauwesen, als Schmuck- und Grabsteine oder als Fassadenverkleidung große Bedeutung haben. Manche dieser Gesteine sind "so teuer wie Gold", so Cosi, dürfen aber keine Defekte haben, die die Qualität beeinflussen. Weltweit werden 160 Mio. t derartiger Natursteinblöcke pro Jahr gewonnen. Die Berichtsstandards PERC und CRIRCSCO sind neuerdings auch für Dimension Stones geeignet.

Der letzte Tag ist traditionell einer Fortbildungsveranstaltung gewidmet, die insbesondere für die "European Geologists" gedacht ist, die Fortbildung für die Verlängerung des Titels nachweisen müssen. Alle Teilnehmer erhielten entsprechende Urkunden von der BDG-Bildungsakademie ausgehändigt. Das diesjährige Seminar behandelte "the Mine Reconciliation process - from exploration to product" und wurde von David Tutton (Consultant Mining Engineer, Dierdorf), Mario Rossi (Principal Geostatician, aus Boca Raton in Florida, USA) sowie Dr. Ana Rieger (Economic Geologist, Sachtleben Minerals GmbH) geleitet. Auch hier war ein Referent per Video zugeschaltet. Der Seminartag war von der EFG, dem europäischen Dachverband der geologischen Berufsverbände, Brüssel, als "EFG endorsed training" anerkannt. 

An den beiden Vortragstagen waren jeweils 49 Zuhörer und Zuhörerinnen anwesend, am Seminar nahmen 29 Personen teil. Die Teilnehmer haben es alle sehr genossen, sich wieder persönlich treffen und austauschen zu können. Hierzu trug das angenehme Wetter, das besondere Ambiente der Sauerland Pyramiden und dem Galileo Park sowie die ganz hervorragende Verpflegung bei. BDG und BDG-Bildungsakademie danken herzlich dafür, dass die Veranstaltung große Unterstützung erfuhr (IMD Infrastrukturanlagen Montagedienstleistungen GmbH aus Lehrte, Götz Bartowiak mit Carlson Mining Software aus Essen, GKZ Geokompetenzzentrum aus Freiberg, Johan Gotsis mit GlobalRock aus Sonthofen, G.E.O.S. Ingenieurges. mbH aus Halsbrücke, Dr. Jörg Demmich (Knauf KG aus Würzburg) und Schweizerbart Science Publisher aus Stuttgart). Allen voran geht der Dank an die ortsansässigen Unternehmen TRACTO und Sachtleben Bergbau Verwaltungs GmbH, ohne deren Unterstützung der Erfolg der Meggener Rohstofftage kaum denkbar wäre. 

Das Foto zeigt die Teilnehmer des ersten Tages auf der Treppe einer der Sauerland Pyramiden. Foto: U. Büttgenbach