Europa braucht neue Gewinnungsstätten – Vertrauen entscheidend für die Rohstoffwende
Industry Round Table bei den 11. Meggener Rohstofftagen
Industry Round Table bei den Meggener Rohstofftagen
In der aktuellen Diskussion am Vorabend der Meggener Rohstofftage wurde deutlich: Europa muss die Exploration eigener Lithiumvorkommen vorantreiben, um im globalen Wettbewerb nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten. Während China bereits 60 Prozent der weltweiten Lithiumproduktion und 75 Prozent der Batterieproduktion kontrolliert, ist die EU auf Importe angewiesen. Fachleute mahnen: Recycling allein wird den wachsenden Bedarf nicht decken können.
Gleichzeitig stoßen Abbauprojekte in Europa auf erheblichen Widerstand, wie Beispiele aus Portugal und Serbien zeigen. Sorgen um den Verlust landwirtschaftlicher Flächen, den Wandel von Landschaften und fehlendes Vertrauen in Unternehmen prägen die Debatte. Akzeptanz könne nur durch frühzeitige Einbindung der Bevölkerung, transparente Kommunikation in der jeweiligen Landessprache und lokale Beteiligung erreicht werden.
Ein zentrales Problem bleibt das tiefsitzende Misstrauen – nicht nur gegenüber Firmen, sondern auch gegenüber Wissenschaft und Politik. Historische Havarien, negative Beispiele aus dem Ausland oder der Vergleich mit Fracking verstärken die Skepsis. Umso wichtiger sei es, Vertrauen und Kompetenz wieder aufzubauen, Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen und Verantwortung entlang der Lieferketten sichtbar zu machen.
Mehrfach wurde betont, dass es klare Pläne und eine verantwortungsbewusste Kommunikation brauche: Rohstoffprojekte benötigen lange Vorläufe, während Lieferketten sofort funktionieren müssen. Gleichzeitig fehle es am politischen Willen und am Bewusstsein in der Bevölkerung. „Geologie und Bergbau gehören stärker in die Bildung“, hieß es, „sonst bleibt die Branche unsichtbar.“
Die Diskussion endete trotz aller Herausforderungen optimistisch: Projekte müssten funktionieren und kommunikativ vertrauensvoll begleitet werden. Chancen für Deutschland und Europa seien vorhanden – entscheidend sei, das Thema so zu übersetzen, dass die Bedenken der Betroffenen wertgeschätzt werden und den Projekten ein Verständnis entgegenbringen können.
Teilnehmende des Industry Round Table waren nationale und internationale Vertreterinnen und Vertreter der Industrie, der Verbände der berufstätigen Geologen (BDG und EFG), aus Geologischen Diensten und der Landespolitik. Diese Veranstaltung soll regelmäßig stattfinden und der Teilnehmerkreis kann noch erweitert werden.
Die Meggener Rohstofftage sind eine Fortbildungs- und Tagungsveranstaltung des Berufsverbandes Deutscher Geowissenschaftler (BDG) und seiner Bildungsakademie. Sie finden im Jahr 2025 bereits zum elften Mal statt.
Die 11. Meggener Rohstofftage
Die 11. Meggener Rohstofftage standen ganz im Zeichen der europäischen Rohstoffsouveränität und der gesellschaftlichen Akzeptanz von Bergbauprojekten. Unter dem Leitthema „Geo-Communication in Exploration and Mining“ diskutierten Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft und Industrie zentrale Fragen zur langfristigen Sicherung kritischer Rohstoffe in Europa.
Einen besonderen Akzent setzte der Eröffnungsvortrag von Nicola Beer (Europäische Investitionsbank), die die Rolle der EIB bei der Umsetzung des Critical Raw Materials Act hervorhob. Weitere Impulse lieferten Prof. Ragnar Löfstedt (King’s College London) zur Risikokommunikation im Bergbau sowie Dr. Axel Wenke (Neptune Energy), der das innovative Lithiumprojekt Altmark als Beispiel für die Transformation fossiler Infrastruktur in nachhaltige Rohstoffgewinnung vorstellte.
Am zweiten Veranstaltungstag rückten geopolitische und ethische Aspekte in den Fokus. Beiträge zur globalen Zunahme illegalen Bergbaus, zu neuen ethischen Leitlinien sowie zu aktuellen Explorationsprojekten in mehreren europäischen Ländern zeigten die Herausforderungen und Chancen einer verantwortungsvollen Rohstoffpolitik. Ein praxisnahes Kurzseminar zu internationalen Berichtsstandards (UNFC & PERC) bildete den fachlichen Abschluss.
Kontakt:
BDG Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler e. V.
Andreas Günther-Plönes (ploenes@geoberuf.de)
Geschäftsführer